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Margarete-Gedächtnisseite

Margarete Möller bei Schulzes in Leipzig im Januar 2001

Margarete Möller im Januar 2001

 

Am Mittwoch, dem 7. Februar 2001 starb unsere kleine Tochter
 
 

 

Margarete Möller


am plötzlichen Kindstod


Margarete an ihrem letzten Tag auf Erden. Es war ihr erster Tauftag.

Margarete an ihrem letzten Tag auf Erden. Es war ihr erster Tauftag.
 
 
 

Hier auf der Internetseite "Leben ohne Dich" gibt es eine kleine Gedenkseite


Familienbild am 13. August 1999

Dieses kleine Familienbild entstand kurz nach Margaretes Geburt in Leipzig.
 

Wie es uns zur Zeit (März 2001) geht.

Syhra, im März 2001

Ihr Lieben in der Nähe und der Ferne, ganz herzlich möchten wir Euch für Eure Anteilnahme und Eure Gebete danken, die wir in den letzten Wochen spüren durften. Viele wundervolle, tröstende Karten, Briefe und E-Mails haben uns erreicht und wir sind unendlich dankbar für diese Beweise Eurer Liebe und Verbundenheit mit uns.

Margarete Möller an ihrem ersten Geburtstag In Telefonaten und Karten kommt immer wieder die Frage: „Wie geht es Euch?“ Diese Frage kann nicht einfach mit „gut“ oder eben „nicht so gut“ be­antwortet werden. So dauern unsere Telefongespräche in letzter Zeit ziemlich lange.

Wer den Verlust eines nahen Menschen erlitten hat, weiß in etwa, wie es uns geht. – Das Abschiednehmen und die Trauer sind schwere Arbeit. Arbeit, die aber getan werden muß. Sonst könnte man nicht weiterleben.

Unsere Margarete (d.h. „Perle“) war ein ganz fröhliches, gesundes, liebes Kind. An ihrem letzten Tag auf dieser Erde feierten wir gemeinsam ihren ersten Tauf­tag. Johannes machte sogar noch Videoaufnahmen. Mittags schlief Margarete draußen in ihrem geliebten Buggy. Elisabeth saß wie ein buntes Osterei im Garten und machte „eine Schneeglöckchensuche“. Ich stand am Küchenfenster und dankte Gott für meine kleine, behütete Welt und unsere gesunden Kinder; nicht ahnend, daß diese Welt am nächsten Tag völlig aus den Fugen geraten würde. – Wer denkt schon daran, daß ein Kind mit 18 Monaten am „Plötzlichen Kindstod“ sterben könnte?

Unsere Großen schlafen seit zwei Jahren auf ihrem Hochbett im Kinder­zim­mer, Margarete hatte ihre kleine Ecke darunter. Nach anstrengenden Tagen und Nächten am Schreibtisch, der Vorbereitung für die unmittelbar bevorstehende Konfirmandenrüstzeit in Schweden und Gestaltung des aktuellen Kirchenblättchens freuten wir uns, daß unsere Maus uns eine ruhige Nacht bescherte.

Diese Freude wandelte sich am nächsten Morgen, als ich die Kinder zum Frühstück wecken wollte, in jähes Entsetzen. – Margarete war in ihrem Bettchen ganz friedlich hinübergeschlafen in die Ewigkeit.

Wir wissen sie dort gut aufgehoben, aber unser Schmerz ist trotzdem abgrundtief. Valentin und Elisabeth vermissen ihre Schwester, fragen immer wieder, wie es im Himmel sein wird. Diese Frage können wir ihnen nur ansatzweise beantworten, denn die Bibel gibt uns nicht sehr viele Hinweise.

Anhand eines ganz tollen Kinderbuches, das wir geschenkt bekamen, haben wir ihnen ein Stück erklären können, wie das mit dem Sterben ist. - Wer stirbt, zieht aus seinem Körper aus. So, wie man die Hand aus dem Handschuh zieht. Der Handschuh ist noch derselbe, wie vorher, aber eben ohne Leben. – Margarete hat bei Jesus einen neuen Körper. Vielleicht so schön wie ein Brauthandschuh, mit Perlen, Gold- und Silberfäden ge­schmückt. Dieser Körper wird ihr bestimmt gefallen, obwohl wir uns kaum vorstellen können, was an diesem so vollkommenen Mädchen noch besser und wirklich schöner sein könnte.

Dieser Mittwoch, der 7. Februar 2001 war der schrecklichste Tag in unserem Leben. Und doch habe ich auch viele dankbare Erinnerungen an diesen Tag.

Unsere Ärztin, die uns seit sieben Jahren kennt und alle behandelt, selbst Mutter von vier Kindern, ließ ihre gesamten Patienten in der Praxis sitzen und kam mit einer ganz lieben Kirchvorsteherin, um uns in diesen ersten Minuten des Schocks über das Unfaßbare zu begleiten und den natürlichen Tod unseres Kindes zu bescheinigen.

Unsere beiden Elternpaare kamen sofort, um uns nahezusein und ihre Enkeltochter zu beweinen.

Margaretes Paten konnten gemeinsam mit uns Abschied nehmen, sie berühren, streicheln und ansehen.

Viele Freunde, liebe Menschen aus unseren Kirchgemeinden und aus unserem Ort, Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter kamen, um uns in unserer Trauer beizustehen und uns ganz praktisch zu helfen. Das tat so gut und wir möchten Euch allen ganz herzlich danken. Wie sehr gesegnet sind wir mit so vielen echten Freunden.

Am späten Nachmittag dann legten wir Margarete in ihr letztes Bettchen, mit Babydecken und Teddy, den Elisabeth erst in der nächsten Welt wiederhaben möchte, wie sie sagte.

Vom Freitag an war unsere kleine Perle in der Syhraer Kirche aufgebahrt, und viele Menschen, die Abschied nehmen und mit uns weinen wollten, konn­ten sie noch einmal sehen.

Zur Verabschiedung von Margarete im Gottesdienst am 11. Februar 2001 war die Syhraer Kirche so voll, wie sicher noch nie, seit ihrem Bestehen. Andreas Hermsdorf, Jugendpfarrer in Chemnitz, der unsere Margarete vor einem Jahr getauft hatte, hatte die schwere Aufgabe übernommen, sie auch zu beerdigen. Lutz Scheuffler, Jugendevangelist der Sächsischen Landeskirche, und Ste­p­hanie Neumann waren sofort bereit, uns musikalisch zu helfen. –

Alle unsere Feste haben wir immer selbst gestaltet, Lieder und Texte ausgesucht – so auch diesmal. - Ganz bewußt, um unserer Tochter ein würdiges, auf die Hoffnung in Jesus hinweisendes letztes Fest zu bereiten.

Margaretes Grab findet Ihr auf dem Friedhof in Holzhausen, neben ihrer Cousine Damaris und unterhalb ihrer Urgroßmutter Charlotte, die sie beide nie kennengelernt hat. –

Uns ist bewußt, daß unser Dienst hier in Syhra zeitlich begrenzt ist. So haben wir uns für die Beerdigung im Ort meiner Kindheit entschieden, wo wir wissen, daß auch meine Eltern und Geschwister mit für das Grab sorgen.

Kann man nach einem solchen einschneidenden Erlebnis zur Tagesordnung übergehen? Wir hatten Zeit, in den Alltag zurückkehren zu müssen. – Wegen der Konfirmandenrüstzeit und anschließend geplantem Urlaub waren alle Dienste für fünf Wochen abgesichert. So buchten wir per „last minute“ eine Reise nach Agadir in Marokko, um erst einmal Abstand zu gewinnen und mit unseren Kindern zu versuchen, unser Leben neu zu ordnen. – Die Sonne dort tat unseren wunden Seelen sehr wohl. Wir schrieben auf, was uns im Zusammenhang mit Margarete einfiel, um uns auch später an sie erinnern zu können.

So erkennen wir im Nachhinein in all unserer Not doch einen roten Faden, das liebevolle Handeln unseres gnädigen Gottes. Alles aufzuzählen, was die vielen „Zufälligkeiten“ ausmacht, wäre für diesen Brief zuviel. Doch es war für uns vom ersten Moment an tröstend, daß keiner von uns Schuld am Tod unserer geliebten Tochter hat.

Die Frage nach dem „Warum?“ bleibt natürlich. - Corri ten Boom, die holländische Schriftstellerin und Evangelistin, hat einmal gesagt, daß unser Leben wie ein Stickmuster ist. Wir sehen nur die untere Seite, wo die Fäden verstochen sind und mancher Knoten ist. Aber Gott sieht unser Lebensmuster von oben. So werden wir diese Frage, die uns niemand beantworten kann, wohl nur Gott selbst stellen können. Vielleicht ist es uns vergönnt, im Laufe unseres Lebens eine kleine Ahnung davon zu bekommen, was der Sinn ihres Todes sein könnte.

Wir mußten uns neu entscheiden, ob wir weiter an den glauben können und wollen, der bisher das Fundament unseres Lebens war: Jesus Christus. –

Margaretes Taufspruch hat ganz neu zu uns gesprochen:  

Ich will euch erlösen, daß ihr ein Segen sein sollt. So fürchtet euch nur nicht und stärket eure Hände.

(Sacharja 8,13)

Das macht uns Mut, auch in diesem so schmerzlichen Erleben Gott zu vertrauen. Gott macht keine Fehler – er kennt unser Lebensmuster.

Die Bibel spricht ganz neu und lebendig zu uns. Wir hatten den Eindruck, die Bibelverse der Herrnhuter Losungen waren seit Margaretes Tod nur für uns geschrieben.

Unsere Trauer, unseren Schmerz, unsere Zerissenheit können wir Gott klagen. Er weiß, was es bedeutet, sein geliebtes Kind hergeben zu müssen. So hat sich unser Fundament als tragfähig erwiesen. Der Preis für die Überprüfung allerdings war hoch. – Aber wir wollen Gottes Versprechen in Anspruch nehmen: er will seinen Segen geben und uns die Hände stärken.

Das haben wir gespürt, als wir gleich nach dem Urlaub zur Rüstzeit mit den Familien unserer Kirchenvorsteher fuhren. Diese Tage waren von einer intensiven Gemeinschaft miteinander und mit Gott geprägt. Auch in der daran anschließenden Pfarrertagung des Kirchenbezirkes Rochlitz, für vier Tage in Meißen, erlebten wir Gottes Nähe und Fürsorge. Wir genossen diese wunderbare Atmosphäre und wurden neu gestärkt.

Wieder daheim angekommen, sind wir mühsam dabei, das Alltägliche neu zu gestalten. Wir fühlen uns wie nach einer schweren Operation. Ein Teil unseres Lebens wurde weggeschnitten. Alles geht unendlich langsamer und schwieriger. Man kann sich kaum konzentrieren. So vieles soll gleichzeitig bewältigt werden, was fünf Wochen liegengeblieben ist. Manches muß unerledigt bleiben, weil die Kraft dazu fehlt.

Unsere Kinder scheinen sich vielleicht unkomplizierter mit dem ganzen Geschehen auseinanderzusetzen. Doch wenn wir Abends gemeinsam im Bett sitzen, eine Geschichte lesen, den Tag rückblickend betrachten und miteinander beten, stehen ihnen oft Tränen in den Augen, weil bis vor kurzem Margarete fast immer dabei war.

Valentin vermißt ihre Küsse und Elisabeth das Spielen mit ihr. Wir können nur gemeinsam, in vielen Gesprächen und oft auch unter Tränen, lernen, unsere geliebte Tochter in Gottes Hand abzugeben.

Trost ist uns dabei der Wochenspruch für die kommende Woche aus Johannes 12, 24, mit dem wir Euch alle herzlich grüßen möchten:

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Franziska und Johannes Möller


 


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